Arthroskopische Kreuzbandrekonstruktion
Bei Instabilitšt des Kniegelenkes durch Kreuzbandruptur
Das vordere Kreuzband ist ein wichtiger Stabilisator des Kniegelenkes. Es verhindert ein Vorwärtsgleiten des Schienbeinkopfes und ein Rückwärtsgleiten des Oberschenkels auf dem Schienbeinkopf. Unterstützt wird es dabei von den Menisken. Es verhindert eine vermehrte Innen- und Außenrotation und kontrolliert zusätzlich die Überstreckung des Kniegelenkes.


Was passiert bei einem Riss des VKB?

Es entsteht eine erhebliche Instabilität des Kniegelenkes, da die oben genannten Funktionen ausfallen. Durch eine länger anhaltende Instabilität werden zusätzlich weitere Strukturen im Gelenk wie Menisken, Knorpel, Seitenbänder und Gelenkkapsel geschädigt. Es entsteht ein so genanntes „Wackelknie“ mit immer wiederkehrenden Einknickungen oder „Ausraster“ und Entzündungen mit Reizergüssen, die das Voranschreiten von Verschleißerscheinungen (Arthrose) beschleunigen.

Der oft gutgemeinte Hinweis, die Muskulatur zu kräftigen, kann das Fortschreiten von instabilitätsbedingten Schäden nicht aufhalten. Auch können durch Muskeltraining die oben genannten Einknickungen nicht vermieden werden. Eine muskuläre Stabilisierung einer Kreuzband-Insuffizienz ist nicht möglich.

Bei einer vorhandenen Instabilität sollte deshalb eine Kreuzbandrekonstruktion durchgeführt werden. Bei einem frischen Riss sollte das Gelenk ca. 6-8 Wochen nach dem Unfall operiert werden, da es zu diesem Zeitpunkt in der Regel wieder reizfrei und gut beweglich ist. Der Patient muss sich darüber im Klaren sein, dass ein Kreuzbandriss ein einschneidendes Ereignis darstellt, da das Kreuzband selbst nicht mehr repariert werden kann. Die teilweise bis Mitte der 90er Jahre durchgeführte Kreuzbandnaht brachte keine befriedigenden Ergebnisse. Auch Kunststoffbänder haben sich nicht bewährt. Selten werden Spendersehnen zur Rekonstruktion verwendet, da die Möglichkeit einer Hepatitis- oder HIV-Infektion nicht ganz ausgeschlossen werden kann. In der Regel wird eine körpereigene Sehne als VKB-Ersatz benutzt. Wir verwenden seit 1997 die Semitendinosussehne, davor die Patellasehne .


VKB-Plastik mit Semitendinosussehne (STS)

OP-Technik:

Entnahme der STS mittels eines Sehnenstrippers, gegebenenfalls Verstärkung mit Gracilissehne. Vorbereitung des Transplantates, wenn möglich in Form eines Vierfachstranges (Quadrupeltechnik) oder aber als Dreifachstrang (Tripletechnik) mit einem speziellen Instrumentarium. In wenigen Fällen muss aufgrund eines zu dünnen Sehnentransplantates auf die Patellasehnentechnik übergewechselt werden. Platzierung der Bohrkanäle im Schienbeinkopf und Oberschenkel mittels spezieller Zielgeräte, die eine gute Isometrie des Transplantates gewährleisten. Einbringung eines Führungsdrahtes durch Bohrkanäle und Weichteile zur Hautoberfläche. Durchzug des Transplantates, an dessen oberen Ende ein kleines Titanplättchen (Endobutton) befestigt ist. Querstellen (Flippen) des Endobuttons zur oberen Fixierung. Untere Fixierung des Transplantates durch eine kleine Titanscheibe (Suture Disk).

Nachbehandlung

Eine gezielte Nachbehandlung ist unbestritten und wesentlich für den Gesamterfolg. In den letzten Jahren wurden zunehmend aggressivere Nachbehandlungskonzepte, zum Teil sogar mit sofortiger Vollbelastung, empfohlen. Oft führte eine forcierte Mobilisation zu vermehrten Schmerzen und Reizzuständen (Erguss/Kapselschwellung). Das operierte Gelenk hatte keine Zeit sich von der Operation zu erholen. Durch diese Strategie besteht vor allem die Gefahr, dass sich das Transplantat wieder lockert bzw. nicht richtig in den Knochenkanälen einheilt. Der Patient hat dann zwar sehr schnell wieder eine gute Beweglichkeit und eine ausgezeichnete Muskulatur, dafür aber wieder ein lockeres Kreuzband (Ergebnis ehrgeiziger Therapeuten).


Unsere Nachbehandlungsphilosophie ist eine andere!

Primär wichtig ist das gute und sichere Einheilen des Transplantates. Die Beweglichkeit und der Muskelaufbau werden mit der Zeit bei vorsichtiger Nachbehandlung ebenfalls erreicht. Hierbei wird kein Stillstand oder sogar schmerzhafter Rückschlag zu verzeichnen sein. Unser Nachbehandlungsschema zeigt nur allgemeine Gesichtspunkte auf, die im Einzelfall auf die besonderen Gegebenheiten modifiziert werden.

1. Woche nach der OP:
O° Schiene – Die Sehnenentnahmestelle kann ausheilen und das Risiko von Nachblutungen ist reduziert.

2. - 4. Woche nach der OP:
Bewegungsschiene (Orthese, mit Bewegungslimit 0/10/90 und Belastung halbes Kör-pergewicht (mit 2 Krücken).

5. - 8. Woche nach der OP:
Orthese weiter tragen, aber ohne Bewegungsbegrenzung und voller Belastung (Alltagsbelastung). Die Thrombosespritzen sind 4 Wochen erforderlich. Ebenfalls müssen die Thrombosestrümpfe 4 Wochen getragen werden.

Die ersten 4 Wochen nach der Operation soll die Schiene Tag und Nacht getragen werden, dann nur noch während des Tages. 6 Monate lang sollte kein Kraftsport betrieben werden. Keine Behandlung auf isometrischen Kraftmaschinen und Kniestreckmaschinen. Aqua-Jogging ist nach Wundheilung erlaubt, Schwimmen dagegen erst nach 8 Wochen. Das Radfahren ist ab der 4. Woche möglich.

Sportarten mit schnellen Stops und Richtungswechseln können nach 9 Monaten erfolgen. Kontaktsportarten wie Fußball, Handball, Basketball sollen dagegen erst nach 12 Monaten wieder aufgenommen werden. Im ersten Jahr sollte bei kniebelastenden Tätigkeiten oder sportlicher Aktivität die Orthese getragen werden.

Abschließend möchten wir nochmals auf die Gefahr der sekundären Auslockerung bei falschem Verhalten des Patienten bzw. des Nachbehandelnden hinweisen. Nach der Operation schnell wieder das volle Sportniveau zu erreichen sollte nicht das primäre Ziel sein, sondern eine Stabilität bei guter Gelenkfunktion.

Nach zufriedenstellenden OP-Ergebnissen nehmen viele Patienten ihre sportlichen Aktivitäten mit unveränderter Intensität wieder auf, was eine erneute Ruptur des rekonstruierten Kreuzbandes zur Folge haben kann. Es sollte daher erwogen werden, ob die Fortsetzung gefährlicher Sportarten überhaupt sinnvoll ist.

Sollten Sie zu der arthroskopischen Kreuzbandrekonstruktion noch weitere Fragen haben, stehen mein Team oder auch ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Kontakt
Berufsaus√ľbungsgemeinschaft Fach√§rzte f√ľr Orthop√§die/Orthop√§dische Chirurgie/Unfallchirurgie

Dr. med. Klaus Steinhauser
FA f. Orthopädie/Sportmedizin
Dr. med. Nicolas Steinhauser
FA f. Orthopädie/Unfallchirurgie
Dr. med. Manfred Herzberger
FA f. Orthopädische Chirurgie/Sportmedizin/Rheumatologie

Ohiostraße 3
76149 Karlsruhe
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